
Herbert Tiny ist Honbergwärter des Tuttlinger Wahrzeichens.
Donaubergland-Talk: Honbergwärter, Gästeführer und engagierter Tuttlinger
Herbert Tiny wurde 1940 in Stefansfeld (nördlich von Belgrad) geboren und kam 1955 nach Vertreibung und Flucht nach Tuttlingen. Seitdem ist die Stadt seine Heimat. Über Jahrzehnte hat er sich auf vielfältige Weise für seine Wahlheimat eingesetzt – als langjähriger Gemeinderat, in Vereinen wie dem ASV Tuttlingen oder dem Narrenverein Honberger und vor allem als Honbergwärter und Gästeführer. 2017 wurde er für seine Verdienste mit der Staufermedaille des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet.
Ein Leben für Tuttlingen
DBL: Herr Tiny, was verbindet Sie persönlich mit Tuttlingen?
Herbert Tiny: Ich bin 1955 nach Tuttlingen gekommen und habe die Stadt als meine Heimat angenommen. Hier engagiere ich mich und versuche, etwas für die Stadt und ihre Menschen zu bewegen.
DBL: Wie kam es zu Ihrem Engagement – und im Speziellen zu Ihrem Engagement für den Honberg?
Herbert Tiny: Seit 2004 engagiere ich mich intensiver für den Honberg. Im Vorfeld habe ich immer wieder bemängelt, dass das Wahrzeichen der Stadt mehr Pflege und Aufmerksamkeit verdient. Als Honbergwärter kümmere ich mich heute um die Anlage und führe Besucherinnen und Besucher auf den Zinnenturm.
Als ich damals mit meiner Arbeit begonnen habe, waren die Mauern teilweise von Efeu und Wildbewuchs überwuchert. Gemeinsam mit der Ortsgruppe Tuttlingen des Schwäbischen Albvereins, dem Tuttlinger Bauhof und einem Netzwerk von rund 20 bis 30 Menschen kümmern wir uns darum, dass der Honberg gepflegt und erhalten bleibt.
Mit Herzblut für den Honberg
DBL: Wie groß ist das Interesse am Honberg?
Herbert Tiny: Seit 2015 waren schätzungsweise 35.000 bis 40.000 Menschen auf dem Zinnenturm. Die Gäste kommen längst nicht nur aus Tuttlingen, sondern aus der ganzen Welt. Besonders bei Veranstaltungen wie dem Mittelaltermarkt, dem Osterwanderweg oder dem Honberg-Sommer ist das Interesse groß. Beim Mittelaltermarkt 2026 konnten wir allein an zwei Tagen insgesamt 1122 Besucherinnen und Besucher auf den Turm führen. Die Öffnungszeiten waren drei Stunden pro Tag.
Besondere Begegnungen auf dem Zinnenturm
DBL: Gibt es besondere Begegnungen, die Ihnen in Erinnerung geblieben sind?
Herbert Tiny: Viele. Unter anderem waren Jan Josef Liefers, die Kelly Family und verschiedene Musiker auf dem Honberg. Auch Hochzeiten und Kindergeburtstage haben dort stattgefunden. Eine ganz besondere Geschichte erlebten wir mit Geisterjägern aus Singen, die im Turm vermeintlich Stimmen französischer Soldaten gehört haben.
Lieblingsplätze im Donaubergland
DBL: Was schätzen Sie am Donaubergland abseits des Honbergs?
Herbert Tiny: Es gibt viele schöne Orte. Wenn ich Besuch habe, gehe ich gerne zur Donauversickerung bei Immendingen und entlang der Donau. Auch das Kloster Beuron und die Wallfahrtskapelle Maria Mutter Europas auf dem Gnadenweiler gefallen mir sehr gut. Das Donaubergland hat eine besondere Landschaft und viele Orte, die man immer wieder entdecken kann.
Blick in die Zukunft
DBL: Was macht den Honberg für Sie so einzigartig?
Herbert Tiny: Mir gefällt, wie man von oben über Tuttlingen blicken kann. Man erkennt, wie die Stadt nach dem Stadtbrand von 1803 im Schachbrettemuster wieder aufgebaut wurde – „Tuttlingen, die Stadt im Quadrat“. Der Blick zeigt sehr schön die Verbindung von Stadt und Landschaft.
DBL: Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Herbert Tiny: Ich wünsche mir, dass der Honberg als Wahrzeichen der Stadt noch mehr Beachtung findet, der Turm häufiger geöffnet werden kann und die Anlage weiterhin gut gepflegt wird. Leider gibt es auch immer wieder Vandalismus. Davon hat keiner etwas.
DBL: Was bedeutet Ihnen Ihr Engagement persönlich?
Herbert Tiny: Es ist eine Genugtuung für mich, wenn die Menschen oben auf dem Turm Freude haben und sich anschließend für die Führung bedanken. Dann weiß ich: Dafür hat es sich gelohnt.