Annemarie Atzrodt ist Danube Guide im Donaubergland.

Annemarie Atzrodt ist Danube Guide im Donaubergland. © Annemarie Atzrodt

Danube Guide Annemarie Atzrodt über die Donauversickerung im Donaubergland-Talk

Wer an die Donau denkt, hat meist einen mächtigen europäischen Strom vor Augen. Im Donaubergland zeigt sich der zweitlängste Fluss Europas jedoch von einer ganz anderen Seite: Hier verschwindet das Wasser zwischen Immendingen und bis Fridingen stellenweise in großen Mengen im Untergrund. Danube Guide Annemarie Atzrodt begleitet Besucherinnen und Besucher zu diesem außergewöhnlichen Naturphänomen – der Donauversickerung – und vermittelt dabei spannende Einblicke in die Natur- und Erdgeschichte der Region.

Von der Kindheitsfaszination zur Danube Guide

DBL: Frau Atzrodt, woher kommt Ihre Verbundenheit zur Donau und wie wurden Sie Danube Guide?

Annemarie Atzrodt: „Meine Kindheit habe ich zwischen Möhringen und Immendingen in der Nähe der Donauversickerung verbracht. Das ausgetrocknete Flussbett war für mich ein großer Abenteuerspielplatz. Dort suchte ich Fossilien und entdeckte schon früh meine Begeisterung für die Natur und die Donau.

Viele Jahre später, nach meinem Eintritt in den Ruhestand, stieß ich auf eine Ausschreibung für Gästeführungen an der Donauversickerung. Das war genau die Aufgabe, die ich gesucht hatte. Über diese Tätigkeit kam ich schließlich zum Danube-Guide-Programm und erhielt 2019 mein Zertifikat als Danube Guide. Bis heute fasziniert mich die Donau, weil sie sich ständig verändert und immer wieder neue Seiten zeigt.“

Ein Naturphänomen, das weltweit einzigartig ist

DBL: Was macht die Donau im Donaubergland für Besucherinnen und Besucher so besonders?

Annemarie Atzrodt: „Natürlich die Donauversickerung. Es ist schon etwas ganz Besonderes, im ausgetrockneten Flussbett zu stehen und zu erfahren, dass das Wasser zwölf Kilometer Luftlinie entfernt an der Aachquelle wieder zutage tritt.

Meine Gäste können kaum fassen, dass die Donau hier so schmal und ruhig dahinfließt und dann einfach im Untergrund verschwindet. An den Versinkungsstellen können sie beobachten, wie das Wasser in vielen kleinen und größeren Strudeln im Kalkgestein verschwindet. Morgens, wenn es besonders ruhig ist, kann man sogar das Gluckern des Wassers hören.

Es gibt auf der Erde noch viele Karstgebiete in denen Flüsse versickern und wieder zutage treten. Zum Beispiel die Vis in Frankreich. Aber das Einzigartige an der Donau ist, dass sie als einziger Fluss weltweit gleichzeitig in zwei Meere fließt.“

Erdgeschichte direkt im Flussbett erleben

DBL: Was erwartet Gäste bei einer Führung mit Ihnen?

Annemarie Atzrodt: „Ich erzähle meinen Gästen, dass sie auf dem Grund eines vor rund 140 Millionen Jahren ausgetrockneten Meeres stehen und dass dies einer der Gründe ist, warum die Donau hier versickert. Weitere Ursachen liegen in der Plattentektonik, im Vulkanismus und in geologischen Prozessen, die die Landschaft über Millionen von Jahren geprägt haben.

Natürlich erfahren die Gäste auch, wie die Donau in Jahrmillionen entstanden ist und wie sie sich im Laufe der Erdgeschichte verändert hat. Der jahrzehntelange Streit um das Donauwasser gehört ebenso dazu wie die Geschichte der Menschen entlang des Flusses.

Die Donau ist für mich der europäischste Fluss überhaupt. Sie ist der Einzige, der von West nach Ost fließt und verbindet zehn Länder, Kulturen und Menschen. Schon die Kelten haben sich 500 v. Chr. entlang des Ufers angesiedelt. Die Donau war ihre Lebensader, auf der sie reisten und Handel trieben.“

Natur erleben und Zusammenhänge verstehen

DBL: Für wen eignen sich Ihre Touren und was nehmen Gäste daraus mit?

Annemarie Atzrodt: „Geologie- und Naturliebhaberinnen und -liebhaber kommen bei meinen Führungen ebenso auf ihre Kosten wie Menschen, die sich für Umwelt- und Naturthemen interessieren.

Mit etwas Glück finden Gäste sogar ein Fossil im Flussbett. Vor allem hoffe ich aber, dass sie neues Wissen über die Donau mitnehmen und ein besseres Verständnis für die Zusammenhänge der Natur entwickeln. Denn sie ist die Grundlage unseres Lebens.

Viele sind überrascht zu erfahren, welche Bedeutung die Donau auch für unsere Trinkwasserversorgung hat. Das zeigt, wie wichtig es ist, unsere Gewässer zu schützen.“

Ein Lieblingsplatz an der Donau

DBL: Haben Sie einen persönlichen Lieblingsort rund um die Donauversickerung?

Annemarie Atzrodt: „Es gibt eine Bank etwas oberhalb der Versickerung mitten im Wald. Dort ist es meist sehr ruhig. Man hört die Vögel zwitschern und, wenn die Donau Wasser führt, ganz leise das Rauschen des Flusses.

Diese Bank lädt zum Träumen ein. Dort kann man den Alltag hinter sich lassen und die Natur in ihrer ganzen Ruhe genießen.“

Tipps für weitere Entdeckungen im Donaubergland

DBL: Welche weiteren Ausflugsziele im Donaubergland empfehlen Sie Besucherinnen und Besuchern?

Annemarie Atzrodt: „Die Wanderwege entlang und oberhalb des ‚Schwäbischen Grand Canyon‘ mit ihren beeindruckenden Ausblicken sollte man unbedingt erleben. Auch die Burg Wildenstein mit dem Luchs-Infopoint bei Leibertingen ist einen Besuch wert.

Wer die Donau aktiv erleben möchte, sollte eine Kanutour zwischen Hausen im Tal und Sigmaringen unternehmen, sofern der Wasserstand es zulässt. Sehr empfehlen kann ich außerdem das Haus der Natur in Beuron und den Fürstlichen Park in Inzigkofen.

Unsere Region hat unglaublich viel zu bieten. Die Natur im Donaubergland ist einzigartig und hält immer wieder neue Entdeckungen bereit.“

Tipp

Wer die Donauversickerung hautnah erleben und spannende Geschichten rund um Geologie, Natur und die Entstehung der jungen Donau erfahren möchte, kann Annemarie Atzrodt bei einer ihrer Führungen begleiten. Dabei eröffnet sich ein neuer Blick auf eines der faszinierendsten Naturphänomene im Donaubergland. Sie bietet auch regelmäßig offene Führungen für das Tourismusbüro in Tuttlingen an. Bitte senden Sie bei Interesse Ihre Anfrage via E-Mail an info@donaubergland.de.

Annemarie Atzrodt im Film

In einem Film des „Padel Pioneer“ Markus Fehrenbach schildert Annemarie Atzrodt anschaulich das weltweit einzigartige Phänomen der Donauversickerung.

Der Filmausschnitt (ab Min 1:49) ist Teil einer viertägigen Radreise (Tag 4) auf dem Schwäbische Alb-Radweg von Aalen über die Schwäbische Alb bis nach Ludwigshafen am Bodensee. Die naturnahe Radtour führt auch durch das Donaubergland (von Gosheim über Tuttlingen nach Immendingen).

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